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Das Prinzip Einfachheit

einfach managen

Heute beschäftige ich mich mit dem Einkaufen. Auch wenn wir es ungern zugeben, viele von uns kaufen bei Aldi ein. Der Makel, sich nichts anderes leisten zu können, führt zu diskreten Einkaufsgängen – die blauweißen Plastiktüten lehnen wir dankend ab. Mal ehrlich, jeder von uns kann ein Produkt nennen, auf das er schwört und bei Aldi bekommt. Bei mir ist es die Vollmilchschokolade – vornehm in Glanzpapier eingepackt und edel im Geschmack. Und das Mineralwasser – medium. Früher haben wir San Peligrino gekauft, 0,75 Liter für ca. 1 EUR. Das sind 2 EUR für 1,5 Liter. Bei Aldi zahle ich für die gleiche Menge 0,19 EUR, gut ein Zehntel. Ja, San Peligrino schmeckt wirklich frisch und lecker. Die Flaschen sehen auf dem Tisch schön aus, vor einem Blindtest würde ich mich eher drücken, das Ergebnis wäre ernüchternd.

Deshalb handelt mein erster Eintrag von Aldi. Es ist eine Buchbesprechung. Der Autor heißt Dieter Brandes und ist ein ehemaliger Manager von Aldi. Er kennt sich gut in der Einzelhandelsbranche aus und hat viele Bücher über das Erfolgsgeheimnis von Aldi geschrieben. Sein aktuelles Buch „Einfach managen“ ist 2014 im Redline Verlag erschienen und beschreibt wegweisende Managementmethoden, die nicht nur im Einzelhandel, sondern auch in anderen Branchen Beachtung finden. Es geht um das Prinzip Einfachheit. Viele Menschen glauben, dass die Welt immer komplizierter und unüberschaubarer wird. Aber ist das wirklich so, oder sind wir nur Getriebene unserer Wahrnehmung? Die Erde dreht sich um sich und um die Sonne wie zuvor. Unsere Bedürfnisse nach Sicherheit, Anerkennung oder Selbstverwirklichung haben sich nicht wirklich verändert. Und doch beklagen viele den Stress im Beruf ausgelöst durch erhöhten Arbeitsdruck, komplizierte Prozesse, unverständliche Kennzahlen usw. So gesehen ist das Buch eine Wohltat für diejenigen, die Orientierung suchen und Ihr Unternehmen besser verstehen wollen. Das Problem liegt darin, dass Manager zwecks Problemlösung gerne die Komplexität erhöhen, auch um sich zu erhöhen. Der Schriftsteller Saint Exupery hat in seinem Roman „Wind, Sand und Sterne“ bei der Beobachtung von Flugzeugdesigns festgestellt, dass „Vollkommenheit nicht dadurch entsteht, dass man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr wegnehmen kann“. Übertragen auf Unternehmen bedeutet das, alles Überflüssige so lange wegzunehmen, bis dass Wesentliche erscheint. Erst dann lässt sich ein Unternehmen wirkungsvoll steuern. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut, weniger ist mehr und damit etwas einfach aussieht, bedarf es großer Anstrengungen. Dieter Brandes beschreibt viele eindrucksvolle Erfolgsgeschichten von Unternehmen, die sich das Prinzip Einfachheit auf die Fahnen geschrieben haben.

Mir fällt dabei zu allererst Aldi ein. Das Erfolgsgeheimnis liegt nicht in den niedrigen Preisen und den lieblosen Regalen, wie man gemeinhin glaubt, sondern in der Anzahl der angebotenen Artikelsortimente. Angefangen hat man mit 500-600 unterschiedlichen Produkten. Andere Supermärkte bieten 12.000 und mehr Artikel an. Bei Kaisers oder Reichelt blicke ich auf ein Meer von Joghurtsorten, große und kleine, mit Fett und ohne, Früchte oder auch nicht, aus Kuh- oder Sojamilch, usw. Bei Aldi finde ich 3 bis 4 Sorten. Der Vorteil ist bestechend: Weniger Artikel = weniger Lieferanten = mehr Umsatz/Lieferant. Dadurch lassen sich niedrigere Preise verhandeln, die Bestände drehen sich schneller und sind verkauft, bevor die Lieferanten bezahlt werden. D.h. keine Schulden, keine Zinsen  und ….die Preise lassen sich noch weiter senken. Die Qualität ist hervorragend, jeder Lieferant ist um ein Listing bemüht. Das bedeutet Millionenumsätze und dafür lohnt es sich, Qualität zu liefern, was durch die Stiftung Warentest regelmäßig bestätigt wird. Also auf zu Aldi, den Bio-Markt laß ich mir natürlich nicht nehmen und auf den Wochenmarkt schmeckt es eh noch besser.

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